CLUB KOCHENDER MÄNNER LUDWIGSBURG e.V.
CLUB KOCHENDER MÄNNER LUDWIGSBURG e.V.

Wer wir sind - und was wir wollen

Ein Porträt über 40 Jahre Club Kochender Männer Ludwigsburg e.V.

Freitagabend 18 Uhr in der Eberhard-Ludwig-Schule Eglosheim: Zehn gestandene Männer treffen sich zur Fortbildung. Ihr Schreibzeug und Papier liegt im Einkaufskorb mal zwischen Kartoffeln und Gemüse, mal neben Fisch oder Fleisch. Manchmal lugen Lauch- oder Selleriestangen heraus und einer hat edle Tropfen in seinem Gepäck: So kommen, einmal im Monat, die Mitglieder des Clubs kochender Männer Ludwigsburg e.V. (CKM) zusammen. Ihnen ist Vorfreude ins Gesicht geschrieben, denn in den nächsten Stunden können sie bei ihrem anspruchsvollen Hobby so richtig entspannen und den Alltag hinter sich lassen.

 

„Kochabend“ – so profan heißt die Veranstaltung seit 1974 und der Satzungszweck des eingetragenen Vereins, der ganz offiziell das Barock-L in seinem Logo führen darf, ist immer noch der selbe: „...die Kochkunst und Esskultur, sowie die guten Tischsitten zu verbreiten...“

Weil zu viele Köche den Brei verderben, muss sich der Verein auf zehn bis zwölf Mitglieder beschränken, derzeit sind es nur acht. Zwischen fünf und sieben Gängen umfassen die Menüs. Arbeitsreiche Posten werden aufgeteilt – so hat jeder genügend zu tun. Darauf achtet auch der Kochbruder, der das MENÜ des MONATS zusammenstellt, die wichtigsten Speisen vorher ausprobiert und die Mengen abstimmt.

 

Nicht einfach nachkochen…

 

Nicht häufig und im Laufe der vielen Jahre immer seltener, wird auf gedruckte Rezepte zurückgegriffen. Deshalb ist im CKM schon manche Eigenkreation gelungen. Freilich reizt es auch, klassische Rezeptvorschläge aus den Standardwerken oder -Magazinen auszuprobieren, in alten Kochbüchern oder Familienunterlagen zu stöbern und den Fund für zehn Personen an heutige Ess- und Lebensgewohnheiten anzupassen.

 

Immer gilt die Vereinsmaxime: Weniger ist mehr – die Portionen sollen „überschaubar“ bleiben und die Teller nicht überladen wirken. Nicht zuletzt freut dies auch den Kassenwart, damit die Beiträge noch lange stabil bleiben können. Gilt es doch, davon auch die Nutzungskosten der Küche, den Einkauf ausgewählter Lebensmittel – darunter oft Köstlichkeiten aus Wasser und Wald - sowie Getränke, das traditionelle Grillfest und das „Jahresessen mit Damen“ zu finanzieren. Bei solchen besonderen Terminen orientieren sich die kochenden Männer an den Wünschen ihrer Frauen - diese hören schließlich nach jedem Kochabend, wie herrlich es wieder gemundet hat. Übrig bleibt ihnen meist nur ein „Rest-Aroma“ in der Kochwäsche oder ein besonders resistenter Fleck in einem Handtuch. Weshalb solche Abende besonders liebevoll gestaltet werden.

 

Über was unterhalten sich Kochbrüder einen ganzen Abend lang? Vermieden werden lange Gespräche mit geschäftlichem Hintergrund. Geklatscht wird gerne über die „Fernsehköche“ und ihre Shows, wobei ebenso neidlos deren Erfahrung und Handwerk anerkannt wird, wie umgekehrt etwa Johann Lafers routinemäßiges Eigenlob oder Vincenz Klinks bisweilen derb wirkender Umgang mit Waren und Worten diskutiert wird.

 

Jeder Gang wird Respekt begrüßt und besprochen

 

Das wichtigste Thema dreht sich, wie erwartet, ums Essen. So wird jeder Gang in der Speisefolge mit Respekt und einem leisen Klang der Gläser begrüßt, wobei nicht nur ausgesuchte Weine kredenzt, sondern auch Wasser getrunken werden. Besprochen wird, auf was es bei der Zubereitung ankommt, welche Erfahrungen gemacht und wie eventuell das vorher festgelegte und individuell formulierte Rezept in Ablauf oder Menge verfeinert werden kann.

 

Fast typisch schwäbisch sind die in der Praxis erprobten Rituale: Nicht kritisiert bedeutet „genug gelobt“. Ausdrückliches und vereintes Lob ist ein untrüglicher Hinweis darauf, dass - sofern diese Speise sich in das Jahresmenü einbauen lässt – große Chancen auf ein kulinarisches Come-back bestehen. Und wenn mal einer der Mützenträger daneben lag oder sich in Zeit oder Menge vertan hat, muss er sich dies auch anhören.

 

Konzentrierte aber stressfreie Arbeit

 

Anderthalb bis zwei Stunden vergehen, bis nach dem obligatorischen "Amuse Gueule" mit der Vorspeise der vergnüglichere Teil des Abends beginnt. Zuvor war konzentrierte, aber stressfreie Arbeit angesagt, die, wie bei den Profis mit der „Mise en place“ beginnt, also der gewissenhaften Herrichtung und grundlegenden Zubereitung aller Partien und der griffbereiten Ordnung des Arbeitsplatzes. Wobei allerdings – da Fertigprodukte möglichst vermieden werden – beispielsweise eine doppelte Brühe oder ein stundenlang vor sich hin siedender Fond von zu Hause mitgebracht werden.

 

Zwischen Hauptgang und Nachspeise präsentiert dann der Kochbruder, der an diesem Abend für Tischwäsche und Dekoration, für die Auswahl der Getränke und den Abwasch zuständig ist, sein nächstes Menü. Dass dies der Jahreszeit und ihren Erzeugnissen angepasst sein muss, gilt als Regel. Doch haben auch ganz spezielle Themen, etwa „Schweizer Küche“ oder „mal was Asiatisches“ ihre Chance – Hauptsache, die Komposition insgesamt stimmt.

 

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